Ein effizientes und präzises Buchführungssystem ist für jedes Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Das gilt insbesondere auch, wenn die Geschäfte des Unternehmens die Verwaltung von Wertpapieren oder den Handel mit Wertpapieren einschließen.
Standardkontenrahmen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie eine einheitliche Struktur für die Buchführung bieten. In diesem Artikel gehen wir auf die am häufigsten verwendeten Standardkontenrahmen (SKR) ein. Außerdem erklären wir, weshalb eine Erweiterung der Standardkontenrahmen für die Wertpapierverbuchung sinnvoll ist, um die Arbeit von Buchhaltern und Steuerberatern zu erleichtern.
Was ist ein Standardkontenrahmen?
Ein Standardkontenrahmen ist eine vorgegebene Struktur von Konten, die in der Buchführung eines Unternehmens verwendet wird. Er stellt eine standardisierte Grundlage für die systematische Erfassung und Kategorisierung von finanziellen Transaktionen dar. Der Einsatz eines Standardkontenrahmens erleichtert nicht nur die Buchführung, sondern ermöglicht auch die Vergleichbarkeit von Finanzdaten zwischen verschiedenen Unternehmen und Branchen.
Die Hauptmerkmale eines Standardkontenrahmens sind:
- Systematische Gliederung: Ein Standardkontenrahmen ist in verschiedene Kontenklassen und Gruppen unterteilt, um die Organisation der Finanzinformationen zu erleichtern. Dies umfasst typischerweise Hauptkonten für Vermögenswerte, Verbindlichkeiten, Eigenkapital, Erträge und Aufwendungen.
- Einheitliche Nummerierung: Jedes Konto in einem Standardkontenrahmen hat eine eindeutige Nummer. Diese Nummerierung ermöglicht eine schnelle Identifikation und Zuordnung der Konten.
- Branchen- und länderübergreifende Anwendbarkeit: Ein guter Standardkontenrahmen ist so konzipiert, dass er von Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branche verwendet werden kann. In einigen Fällen existieren jedoch branchen- oder länderbezogene Anpassungen, um spezifische Anforderungen zu berücksichtigen.
- Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben: Standardkontenrahmen orientieren sich oft an den gesetzlichen Vorgaben eines Landes. Sie helfen sicherzustellen, dass die Buchführung den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
- Flexibilität: Obwohl ein Standardkontenrahmen eine vorgegebene Struktur bietet, ist er in der Regel ausreichend flexibel, um individuellen Geschäftsanforderungen gerecht zu werden. Dies ermöglicht Unternehmen, ihre Buchführung an ihre spezifischen Bedürfnisse anzupassen. Im weiteren Verlauf dieses Beitrags gehen wir darauf ein, wie wir diese Flexibilität nutzen, um verschiedene Standardkontenrahmen für die Wertpapierverbuchung zu verbessern.
Häufig verwendete Standardkontenrahmen
Die verwendeten Kontenrahmen unterscheiden sich je nach Staat, in dem die Gesellschaft ansässig ist. In den folgenden Abschnitten gehen wir kurz auf die Eigenschaften der wichtigsten Standardkontenrahmen in den jeweiligen Staaten ein.
Deutschland
In Deutschland sind die DATEV-Kontenrahmen wie SKR03 und SKR04 weit verbreitet. Beide Standardkontenrahmen werden von der DATEV eG, einem deutschen Softwareunternehmen für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Unternehmen, bereitgestellt.
DATEV SKR03
Beim SKR03 werden die Konten nach Betriebsabläufen sortiert (Prozessgliederungsprinzip). Die Reihenfolge der einzelnen Konten soll der Reihenfolge der Abläufe im Unternehmen entsprechen.
Dies spiegelt sich in der ersten Stelle der Konten wider:
- 0: Anlage- und Kapitalkonten
- 1: Finanz- und Privatkonten
- 2: Abgrenzungskonten
- 3: Wareneingangs- und Bestandskonten
- 4: Betriebliche Aufwendungen
- 7: Bestände an Erzeugnissen
- 8: Erlöskonten
- 9: Vortrags- und statistische Konten
DATEV SKR04
Der SKR04 orientiert sich am sogenannten Abschlussgliederungsprinzip. Die Reihenfolge der Konten ist an die Gliederung des Jahresabschlusses mit Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung angelehnt.
Dies spiegelt sich in der folgenden Gliederung der Konten wider:
- 0: Anlagevermögen
- 1: Umlaufvermögen
- 2: Eigenkapitalkonten
- 3: Fremdkapitalkonten
- 4: Betriebliche Erträge
- 5 und 6: Betriebliche Aufwendungen
- 7: Weitere Erträge und Aufwendungen
- 9: Vortrags- und statistische Konten
DATEV SKR42
Der Standardkontenrahmen SKR42 wurde speziell für gemeinnützige Vereine, Stiftungen und GmbHs entwickelt. Wie an der folgenden Sortierung der Konten ersichtlich wird, orientiert sich der SKR42 in seiner Struktur am SKR04.
- 0: Anlagevermögen
- 1: Umlaufvermögen
- 2: Eigenkapitalkonten
- 3: Fremdkapitalkonten
- 4: Einnahmen
- 5 und 6: Ausgaben
- 7: Weitere Einnahmen und Ausgaben
- 9: Vortrags- und statistische Konten
Als Besonderheit ermöglicht der SKR42, die Anlagen nach sogenannten Sphären zu gliedern. Dies ist für gemeinnützige Körperschaften wichtig, da die Sphären unterschiedlichen Besteuerungsregeln folgen. Die folgenden Sphären sind im SKR42 definiert:
- 1: Ideeller Bereich
- 2: Vermögensverwaltung
- 3: Zweckbetrieb (optional Kostenstellen 31-39 für weitere Zweckbetriebe)
- 4: Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb (optional Kostenstellen 41-49 für weitere wirtschaftliche Geschäftsbetriebe)
- 9: Sammelposten (noch zu klärende oder die Gesamtkörperschaft betreffenden Positionen)
In Buchungssätzen kann die Sphäre über die Kostenstelle (KOST1) adressiert werden.
Luxemburg
Die Verpflichtung, eine Buchhaltung gemäß einem geeigneten Kontenplan zu führen und einen Jahresabschluss aufzustellen, betrifft alle im Handelsgesetzbuch (code de commerce) erfassten Unternehmensformen.
Damit gilt diese Verpflichtung beispielsweise auch für in Luxemburg ansässige Gesellschaften mit beschränkter Haftung (société à responsabilité limitée – SARL) und Europäische Gesellschaften (société européenne – SE).
Diese Unternehmen sind grundsätzlich verpflichtet, den Standardkontenplan (plan comptable normalisé – PCN) zu verwenden.
Österreich
Österreichischer Einheitskontenrahmen / DATEV SKR07
Der österreichische Einheitskontenrahmen wurde 1947 vom Österreichischen Kuratorium für Wirtschaftlichkeit (ÖKW) entwickelt und seitdem nahezu flächendeckend verwendet. Die letzte große Überarbeitung erfolgte 2016 auf Basis des Rechnungslegungs-Änderungsgesetzes von 2014. Er wird seitdem vom Fachsenat für Betriebswirtschaft unter der Bezeichnung KFS/BW 6 – Österreichischer Einheitskontenrahmen veröffentlicht.
DATEV SKR07
Da die DATEV-Software vermehrt auch in Österreich eingesetzt wird, gibt es den Österreichischen Einheitskontenrahmen auch als DATEV SKR07.
An der folgenden Kontengliederung lässt sich erkennen, dass der SKR07 sich ähnlich wie der SKR04 am Abschlussgliederungsprinzip orientiert:
- 0: Anlagevermögenskonten
- 1: Umlaufvermögenskonten
- 2: Umlaufvermögenskonten
- 3: Fremdkapitalkonten
- 4: Betriebliche Erträge
- 5: Betriebliche Aufwendungen
- 6: Personalkosten
- 7: Betriebliche Aufwendungen
- 8: Außerordentliche Erträge / Aufwendungen
- 9: Kapitalkonten
Unterstützte Standardkontenrahmen in VICTAR
VICTAR unterstützt aktuell die folgenden Standardkontenrahmen:
- DATEV SKR03 (Deutschland)
- DATEV SKR04 (Deutschland)
- Österreichischer Standardkontenrahmen (= DATEV SKR07) (Österreich)
- Luxembourg Standardkontenplan (PCN) (Luxemburg)
- DATEV SKR42 für gemeinnützige Körperschaften (Deutschland)
- DATEV SKR51 (Branchen-Kontenrahmen Automobil) (Deutschland)
Ist dein Kontenrahmen nicht dabei? Nimm Kontakt zu uns auf!
Erweiterungen für die Buchhaltung von Wertpapieren
Eine Gemeinsamkeit aller Standardkontenrahmen ist, dass die Buchhaltung von Wertpapieren nicht im Mittelpunkt steht. So sind typischerweise keine ausreichenden Unterkonten für die Unterscheidung verschiedener Asset-Klassen vorhanden. Dies stellt ein Problem für Buchhalter und Steuerberater dar, die die Transaktionen möglichst transparent und nachvollziehbar in der Buchhaltung abbilden müssen.
Daher erweitern wir den jeweiligen Standardkontenrahmen um entsprechende Konten für die Wertpapierverbuchung. Wir nennen dies den VICTAR-Kontenrahmen. Es handelt sich dabei jedoch um den jeweiligen Standardkontenrahmen, der um Konten für die Wertpapierverbuchung erweitert wurde. In den folgenden Abschnitten beschreiben wir diese Erweiterungen.
Erweiterungen für Asset-Klassen
Allein im deutschen Steuerrecht müssen 5 Typen von ETFs in der Buchhaltung darstellbar sein, da sie steuerlich unterschiedlich behandelt werden.
Deshalb arbeitet unsere Lösung für die Wertpapierverbuchung – VICTAR – mit erweiterten Standardkontenrahmen. Dies ermöglicht es beispielsweise, Transaktionen für die folgenden Asset-Klassen in der Buchhaltung nachvollziehbar abzubilden:
- Aktien
- ETFs mit den verschiedenen steuerrelevanten Typen
- Aktien- und Index-Optionen
- Futures
- CFDs
- Währungs-CFDs
- Optionsscheine
- Zertifikate
- Anleihen
- Rohstoffe
- Krypto-Assets
Erweiterungen für Handelswährungen
VICTAR bucht Bestandskonten mit den jeweils für die Transaktion genutzten Handelswährungen und dem jeweils gültigen Umrechnungskurs in die Basiswährung (meist EUR).
Dadurch wird es möglich, die Bestandskonten und Wertpapierverrechnungskonten für alle oben genannten Asset-Klassen sowohl in der jeweiligen Handelswährung als auch in EUR in der Buchhaltung darzustellen. Dies vereinfacht die Kontenabstimmung deutlich.
Als Handelswährung wird jede für Transaktionen genutzte Währung unterstützt, von AUD (Australischer Dollar) bis ZAR (Südafrikanischer Rand).
Erweiterungen für mehrere Depots
Einige, gerade größere Körperschaften haben mehrere Depots, in denen sie Wertpapiere handeln. Mit Hilfe der Erweiterungen lassen sich mehrere Depots bei Bedarf sauber in der Buchhaltung abbilden. Auch dies erleichtert wieder die Abstimmung und den Jahresabschluss.
Erweiterungen für Gewinn- und Verlustkonten
Auch die Gewinne und Verluste aus verschiedenen Asset-Klassen unterliegen unterschiedlichen steuerlichen Regeln. Daher erleichtert es die Arbeit von Buchhaltern und Steuerberatern enorm, wenn Erträge und Aufwendungen entsprechend aufgeschlüsselt werden.
Beispiele hierfür sind die unterschiedliche Besteuerung von Erträgen aus Aktienhandel, Erträge aus dem Handel mit ETFs, Erträge aus dem Handel von Optionen inklusive Andienung, Ausübung und Verfall sowie Dividenden, Zinserträge und Ausschüttungen der verschiedenen Asset-Klassen.
Ein weiteres Beispiel sind Quellensteuern, die von VICTAR nach Ländern aufgeschlüsselt und auf die entsprechenden Konten gebucht werden.
Fazit
Standardkontenrahmen bilden die Grundlage, um Transaktionen systematisch und strukturiert in der Buchhaltung abzubilden. VICTAR unterstützt neben den in Deutschland am häufigsten genutzten Standardkontenrahmen auch den Österreichischen Einheitskontenrahmen sowie luxemburgische und gemeinnützige Kontenpläne.
VICTAR erweitert den jeweiligen Standardkontenrahmen um Bestands- und GuV-Konten für die Wertpapierverbuchung. Diese Erweiterungen erleichtern die Kontenabstimmung und den Jahresabschluss für Buchhalter und Steuerberater erheblich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sie haben Fragen zum Import der Kontenrahmen-Erweiterungen in Ihre Buchhaltungssoftware oder zur Verwendung von 8-stelligen Sachkonten? In unserem globalen FAQ-Bereich finden Sie detaillierte Antworten auf diese und viele weitere Fragen:
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